Lästige Bürger abgewehrt

Der Kölner Stadtanzeiger bringt einen bemerkenswerten Leserbrief zur Berichterstattung über die Bürgerinformationsveranstaltung am 24.09.2015, der uns in manchen Bereichen aus der Seele spricht. Der Urheber genehmigt uns freundlicherweise die Veröffentlichung seines Textes auf unserer Homepage.

ALIBI: Zu „Angst vor zu viel Verkehr und Gestank“ vom 26./27. September

Bürgeranhörung oder Bürgerabwehr? In Ihrem sehr sachlich gehaltenen Bericht über die Bürgeranhörung sind einige aus meiner Sicht wichtige Aspekte nicht enthalten.

Als Bürger der Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid habe ich die Bürgerinformationsveranstaltung am 24. September mit Interesse verfolgt.

Der Eindruck, es handele sich hier um eine Alibiveranstaltung, in der kritische Fragen der Bürger abgewehrt beziehungsweise die Bürger auf Konsens (für die Baupläne der Firma Thurn) getrimmt werden sollten, dominierte meine Wahrnehmung.

Es war zu erfahren, dass diese Veranstaltung nicht etwa auf die Initiative des Rates zurückgeht, sondern auf die eines einzelnen Bürgers, der die leicht zu übersehende Notiz über das Vorhaben (Änderung Beb-Plan „Neunkirchen-Süd“) zu Beginn der großen Ferien (sic!) im Mitteilungsblatt für die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid gelesen hatte und recherchierte, denn ohne Recherche offenbarte sich nicht die Dimension dieser Notiz.

Die ausführlichen Einlassungen der Bürgermeisterin zu Beginn über das Ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingshilfe ließ mich schon zweifeln, ob ich in die falsche Veranstaltung geraten war, bis dann der Hinweis, dass auch das Unternehmen Thurn erwäge, sich hier zu engagieren, die zugrunde liegende Absicht peinlich erkennen ließ.

Der Vortrag des Geschäftsführers der Firma Thurn war bezüglich des Diskussionsgegenstandes wenig informativ. Statt nichts sagender Bilder aus Werbeprospekten fehlte eine 3D-Computer-Animation, auf der man die Ausmaße des geplanten 30 m hohen Pulverturms, der primär im Fokus der Aufmerksamkeit steht, den Bürgern anschaulich hätte vor Augen führen können. Wenn, wie später ausgeführt, mit dem Bau des Pulverturms im Falle der Genehmigung schon in einem Jahr begonnen werden soll, dürften die Pläne für dieses Vorhaben längst so weit gediehen sein, dass 3D-Animationen kein Problem darstellen können.

Wenn für die Gemeinde durch die Änderung der Bebauungshöhe um 10m kein erkennbarer Vorteil entsteht, wer profitiert dann von diesem Änderungsbeschluss?

Die aus meiner Sicht großenteils kompetenten Fragebeiträge der Bürger wurden entweder nicht beantwortet oder mit Hinweis auf Paragrafen oder Verfahrensgepflogenheiten ablehnend beschieden.

Alles in allem dominierte der Eindruck, dass bezüglich des Verfahrens mit der Firma Thurn längst Fakten geschaffen sind, die gegen lästige Fragen und Kritik der Bürger mit allen Mitteln geschützt werden sollen. Mit Bürgerbeteiligung hat dies alles aus meiner Sicht recht wenig zu tun.

Rudolf Krönung, Neunkirchen-Seelcheid