Kontroverse Berichterstattung im Kölner Stadtanzeiger

Der Kölner Stadtanzeiger bringt am 19.01.2016 eine Bericht zur Situation in Neunkirchen-Seelscheid. Leider ist der Artikel ausgesprochen unscharf, so dass er eine Welle von Leserbriefen lostritt.

ExternalLinkIconBlue Ksta: Geplanter Ausbau der Thurn-Werke scheidet die Geister

Leserbriefe

Die Änderung des Bebauungsplan Neunkirchen Süd erregt zur Zeit die Gemüter der Bevölkerung zu Recht, ist doch hier ein gewaltiges Industrieprojekt geplant, das das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen würde. Dazu passt allerdings nicht Ihre veröffentlichte Grafik, die die Hallen in weiter Ferne als relativ niedrig erscheinen lassen, während die Ein- und Zweifamilienhäuser am Krokusweg eher wie ein Industriegebiet wirken. Ein Bild aus Richtung Hohn wäre hier wegen der gewaltigen Höhenunterschiede fairer gewesen!

Ute und Rudolf Baum, Neunkirchen-Seelscheid


Der Artikel verharmlost das Bauvorhaben absolut. Das Ort- und Landschaftsbild wird komplett verschandelt, falsch ist, daß es nur die stört, die in der Nähe wohnen. Im Gutachten steht, daß man die riesigen Hallen sehr wohl von überall, Eischeid, Hochhausen, Pohlhausen, Breitscheid, Heister, Seelscheid, etc. sehen kann. Bisher gibt es überhaupt keine verbindlichen Aussagen, daß überhaupt neue Arbeitsplätze und wie viele entstehen. Der Bericht zeigt in keiner Weise die immensen Konsequenzen für die Gemeinde auf. Solche Monsterhallen gehören nicht in eine idyllische Landschaft sondern in ein städtisches Industriegebiet.

T. & C. Stegemann, Neunkirchen-Seelscheid


Der Artikel mit den gezeigten Abbildungen aus dem Landschaftsgutachten verharmlost die geplanten Änderungen absolut. Wie die beigefügten Luftbilder des Landes NRW zeigen (www.nrw.de/uvo), befinden sich rings um das Gebiet der Fa. Thurn Produkte in Hohn und Wolperath Einfamilienhäuser in 1- bis 2-geschossiger Bauweise und keine Wohnblöcke, wie dargestellt. Weiterhin findet es keine Erwähnung, dass das betreffende Gebiet direkt an das Wasserschutzgebiet der Trinkwasstertalsperre anschließt, welche den rechtsrheinischen Kreis (ca. 800.000) Haushalte mit Trinkwasser versorgt. Die Talsperre ist Luftlinie keinen Kilometer entfernt. Wassergefährdende Vorprodukte zur Herstellung der Wasch- und Reinigungsmittel sowie Endprodukte werden also Tag und Nacht mit Sattelschleppern am Wasserschutz- und Wohngebiet entlang transportiert und verarbeitet. Es kann nicht sicher gestellt werden, dass ortsunkundige LKW’s nicht den kürzesten Weg von der A3 Ausfahrt Rösrath durch das Wasserschutzgebiet nehmen und verunglücken oder es andere Störfälle, wie bereits am Standort Much passiert, geschehen. Hier entsteht ein riesiger Industriekomplex der chemischen Industrie, der laut dem von Ihnen bereits genannten Landschaftsgutachten „die Maßstäblichkeit des Ortsbildes sprengt“ und eine große potentielle Gefahr für die Umwelt darstellt.

A. & O. Schepers


In Bezug auf den o.G. Artikel müssen zweierlei Dinge klargestellt werden, die bedauerlicher Weise falsch dargestellt wurden.
Erstens: An mehreren Stellen des Artikels wird der Eindruck erweckt, es seien insbesondere Bürger, die in der Nähe des Gewerbegebiets wohnten, die in Sorge seien. Dies ist schlichtweg falsch. Initiative-NKS hat die Unterschriftenlisten gegen das Thurn-Projekt ausgewertet. Nach vorläufigem Stand kommen über 60 Prozent der Unterzeichner aus Wahlbezirken, die nicht an das Gewerbegebiet angrenzen. Über ein Viertel der Unterzeichner kommt aus Seelscheid!
Zweitens: Entgegen der Aussage in der Unterzeile und später im Text, geht es in dem Konflikt um die Bebauungsplanänderung überhaupt nicht um Arbeitsplätze. Weder wird in der Begründung zum Antrag damit gedroht, dass die Firma Thurn Produkte ihren Standort in Neunkirchen-Seelscheid aufgibt, wenn der Antrag nicht durchkommt, noch werden in dem Antrag Arbeitsplätze versprochen. Geschäftsführer Saalfeld spricht von möglicherweise vierzig neuen Arbeitsplätzen. Dies entspricht einer Steigerung des Arbeitsplätzepotentials von gerade mal 1% für Neunkirchen-Seelscheid. Dem gegenüber steht die nachhaltige Zerstörung des Landschaftsbildes der Gemeinde.
Thurn Produkte sind 2010 auf ein Gewerbegebiet gezogen, für welches ein gültiger Bebauungsplan vorlag. Die Firma weiß genau: Nur vier Jahre später zu behaupten, dass man eine Änderung dieses Bebauungsplans braucht, um weiter bestehen zu können, wäre unredlich. Entweder es wurde hier betriebswirtschaftlich falsch entschieden, oder es wurden Herrn Thurn Versprechungen gemacht, die heute niemand zugeben möchte. Die Menschen unserer Gemeinde sind nicht bereit, für die eine oder andere Fehlentscheidung aufzukommen. Am 26.01 wird sich zeigen, wie der EUPA dazu steht.
Christoph Weiler für
Initiative-NKS e.V.